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Fotoreporter Horst Sturm

Zum Tod des ehemaligen ADN-Fotografen Horst Sturm.

"Käpt’n" wurde Horst Sturm von vielen seiner Schüler genannt. Nicht nur, weil er das Wasser liebte. Fürsorglich und souverän hat der langjährige Bildreporter der Agentur ADN (Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst) angehende Fotografen betreut. Neben technischen Fertigkeiten brachte er ihnen bei, das Leben in all seiner Vielfalt zu schätzen und mit der Kamera einzufangen.

Geboren wurde Sturm 1923 in Geltow südwestlich von Potsdam. Zum elften Geburtstag schenkten ihm seine in ärmlichen Verhältnissen lebenden Eltern eine Boxkamera. Sie machten ihm damit eine große Freude und wurden sein erstes Motiv. Die Leidenschaft hatte ihn für alle Zeit gepackt. Er erlernte den Beruf eines Reprofotografen, zog dann aber, noch nicht erwachsen, in den Krieg. Bei der Marine gaben seine guten Augen den Ausschlag dafür, dass er als Signalgast bei einer Minenräumdivision eingesetzt wurde. Sein politisches Bewusstsein wurde geschärft, als sein Schiff nach Kriegsende unter der Nazifahne in See stechen sollte. Die Mannschaft weigerte sich, Bremerhaven zu verlassen. Alle wurden von einem Kriegsgericht unter dem Vorsitz des bis 1946 amtierenden Hans Filbinger zum Tode verurteilt. Nach einem Veto der Sowjetunion wurden die Strafen verringert. Für Horst Sturm bedeutete das ein Jahr Haft. Dann kehrte er nach Berlin zurück, wo er ab 1949 auf eigene Faust wichtige Ereignisse festhielt. Einige seiner Bilder wurden in Zeitungen veröffentlicht, wo sie Walter Heilig auffielen, dem Sohn des Arbeiterfotografen Eugen Heilig und Leiter des Illus-Bilderdienstes, aus dem später die Bildagentur von ADN hervorgehen sollte - mit Horst Sturm als Fotoreporter.

Sturm hielt historische Momente des Aufbaus der DDR fest wie Ausschachtungsarbeiten für einen Hochofen im späteren Eisenhüttenstadt Anfang der 50er Jahre. Er fotografierte Staatsmänner wie Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht oder Künstler wie Bert Brecht und Anna Seghers. Den Bau des Berliner Fernsehturms dokumentierte er so leidenschaftlich wie den Alltag am Kollwitzplatz, wo er wohnte.

Als Mitbegründer der 21köpfigen Reportergruppe »Signum«, die von 1965 bis 69 existierte, setzte sich Sturm für neue Wege in der Fotoberichterstattung ein. 2010 gehörte er zu den sieben Mitgliedern dieser Gruppe, die Arbeiten unter dem Motto »So hab’ ich das gesehen« im Gut Geisendorf bei Cottbus präsentierten. Eine Einzelschau von Sturms Arbeiten war im selben Jahr unter dem Titel »60 Jahre engagierter Bildjournalismus« in der jW-Ladengalerie zu sehen.
In mehr als 33 Länder führte Horst Sturm die Berichterstattung für ADN-Zentralbild. In Helsinki verfolgte er beispielsweise den Durchbruch bei den Verhandlungen zum KSZE-Abkommen. Im Auftrag der Agentur bildete er in Tunesien, der VR Jemen und im Libanon (PLO) junge Fotografen aus.

Aber nicht nur durch die von ihm ausgebildeten Fotografen wird Horst Sturm weiter leben, sondern vor allem durch seine Bilder, von denen das Bundesarchiv einige tausend verwahrt und zur Nutzung bereitstellt. Das Bundesarchiv wird alles in seinen Kräften stehende tun, dieses bildnerische Weiterleben von Horst Sturm zu garantieren und zu befördern!

Gabriele Senft (O. Sander)


» [Anzeige aller digitalisierten Bilder von Horst Sturm im Digitalen Bildarchiv]
» [Wikipedia-Eintrag zu Horst Sturm]

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